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Das Verteilzentrum von dm in Wustermark

Logistik für den Norden und Osten

Bauherrenvertretung und Projektsteuerung für das dm-Verteilzentrum in Wustermark

In der Gemeinde Wustermark, vor den Toren Berlins, steht seit Frühjahr 2020 das für den gesamten Norden und Osten Deutschlands zuständige Verteilzentrum des Drogeriemarktunternehmens dm. Auf der sprichwörtlichen grünen Wiese erhebt sich nun das Zentrum mit großen Warenumschlagshallen, einem Hochregallager und Verwaltungsräumen selbstbewusst in bunten Regenbogenfarben. Ungewöhnlich an dem Projekt ist vor allem der extrem hohe technische Standard des Verteilzentrums, für den es dann auch von der Bundesvereinigung Logistik (BVL) mit dem Deutschen Logistik-Preis 2020 ausgezeichnet wurde. Die Ware wird nämlich nicht nur automatisiert ausgepackt, also depalettiert, sondern auch zu einem Großteil von Robotern entsprechend dem Bedarf in den jeweiligen dm-Märkten zusammengestellt und verpackt. 15 Kommissionierlinien führen zu acht manuellen Packstationen und sieben automatisierten Packrobotern, an denen die von den Herstellern gelieferte Ware mit Hilfe eines sogenannten digitalen Filial-Zwillings in kleinere, exakt auf den Bedarf vorsortierte Gebinde gepackt wird.

Der Gebäudekomplex und seine Funktionen

Das Grundstück ist etwas größer als 22 Fußballfelder (162.000 m2). Von dieser Fläche, die sehr unterschiedliche Baugrundverhältnisse aufweist, wurden rund 30.000 m2 mit dem neuen Verteilzentrum überbaut. Maßgeblich für Kubatur und Anordnung der Gebäudeteile war das Logistikkonzept mit einem optimierten Warenfluss vom Eingang der Ware über das Umverpacken, Einlagern, Kommissionieren bis zum Warenausgang.

So besteht der Komplex im Wesentlichen aus vier Gebäudeteilen:

  • der knapp 28 m breiten, 146 m langen und 8,20 m hohen Zone für Warenein- und -ausgang (WE/WA-Halle)
  • einem direkt neben dem Wareneingangsbereich platzierten, rund 32 m hohen Hochregallager (HRL), das mit etwa 97 m Länge und 40,20 m Breite auf einer Fläche von knapp 3.900 m2 Platz für 24.000 Palettenstellplätze bietet,
  • der auf einer Längsseite des HRL anschließenden, fast 12,40 m hohen Kolli-Halle mit einer Länge von etwa 113 m und einer Breite von rund 120 m. Auf circa 13.500 m2 bietet sie unter anderem Platz für ein eingestelltes Kolli-Lager als Shuttle-Regal mit 265.000 Stellplätzen für kleinvolumige Gebinde. In der Kolli-Halle mussten darüber hinaus in einem weit verzweigten Netz von Förderbändern und Elektrohängebahnen diverse Arbeitsbühnen mit unterschiedlichen Niveaus für die manuelle und automatisierte Palettierung sowie zur Wartung der Maschinen untergebracht werden.
  • einem optisch leicht abgesetzten dreigeschossigen Büro- und Sozialgebäude mit quadratischem Grundriss von 33,75 m x 33,75 m


Konstruktion aus Stahl und Stahlbeton

Das automatische Paletten-Hochregallager wurde auf einer 50 cm dicken Bodenplatte als Stahlkonstruktion in Silobauweise errichtet. Dabei wird das Hochregal als selbsttragende Konstruktion ausgebildet, und die Dacheindeckung und Wandbekleidungen können direkt am Stahltragwerk befestigt werden. So kann die Silokonstruktion sowohl die Lasten der Paletten als auch die Wind- und Schneelasten aufnehmen. Als Außenwand-Elemente kamen vorgehängte horizontale Stahl-Sandwichpaneele in auffälligen Regenbogenfarben mit 13 verschiedenen Farbstufen zum Einsatz. Das Dach wurde mit Trapezblech und als klassisches Warmdach mit Folienabdichtung ausgeführt.

Bei allen anderen Hallendächern hingegen handelt es sich zwar auch um ein Trapezblechdach – hier allerdings mit extensiver Dachbegrünung. Die ebenfalls in horizontaler Ausrichtung montierten Stahl-Iso-Paneele der Kolli-Halle sind, wie auch die Bekleidung der WE/WA-Halle, in einem leuchtenden Gelb gehalten. Das Tragwerk dieser Halle besteht aus Stahlbeton-Stützen und -Bindern. Die gesamte Bodenplatte wird als Löschwasser-Rückhaltebecken aus flüssigkeitsdichtem Beton (FD-Beton) hergestellt. In die Halle sind das Kolli-Lager als autarker Stahlbau sowie auf unterschiedlichen Höhen Ebenen für den Personenverkehr, aber auch Arbeits-, Wartungs- und Technikbühnen eingestellt.

Die mit 8,20 m relativ niedrige Wareneingangs- und -ausgangshalle mit eingestelltem Mezzaningeschoss (Walkway) wurde als Massivbau aus Ortbeton und Stahlbetonfertigteilen konzipiert, während das durch einen zweigeschossigen, etwa 6 m schmalen Trakt von der WE/WA-Halle abgesetzte Bürogebäude mit Besprechungs- und Sozialräumen sowie einer Kantine mit Küche als Stahlbeton-Skelettkonstruktion aus Stahlbeton-Fertigteilen sowie aus Pi-Plattendecken errichtet wurde. Das Bürogebäude erhielt eine vorgehängte hinterlüftete Aluverbund-Fassade, deren Fassadentafeln dezent mit einer Baumstruktur bedruckt sind.

Fotografien: Paul Gärtner

Enge Verzahnung von Technik und Gebäude

Entsprechend dem extrem hohen Automatisierungsgrad war in diesem Projekt die Verzahnung zwischen Technik und Gebäude besonders stark ausgeprägt und daher sehr komplex. Aber auch die einzulagernde Ware machte zusätzliche Maßnahmen, insbesondere den Brandschutz betreffend, notwendig. Aufgrund des Genehmigungsverfahrens bestanden besondere Auflagen, die zahlreiche Gutachten erforderlich machten.

Drei große 500 m3 -Wassertanks, drei Diesel-Sprinklerpumpen, über 25.000 Sprinklerköpfe sowie die bereits erwähnte flüssigkeitsdichte Bodenplatte, die auch als Löschwasser-Rückhaltebecken fungieren kann, sowie eine Detektionsanlage zum Aufspüren möglicher explosiver Gase im Falle einer Havarie oder Beschädigung von Lagerware, waren Bestandteil der Gebäudetechnik.

Der Mensch im Mittelpunkt

Die markante Farbigkeit der Gebäudehülle setzt sich auch im Inneren mit einer erfrischenden Lebendigkeit fort. So sind nicht nur die Wände, sondern beispielsweise auch die Stützen und Stahlbetonunterzüge oder die eingestellten Stahlkonstruktionen, Förderstrecken und Logistikkomponenten in unterschiedlichen Farben wie Safrangelb, Erikaviolett bis Himmelblau gestaltet. Insgesamt kamen im Gebäude über 45 verschiedene Farben in einem zwar vielfältigen, aber stimmigen Konzept zum Einsatz. Dem Bauherrn und Arbeitgeber ist eine ansprechende, angenehme Atmosphäre besonders wichtig, damit sich die Menschen an ihren Arbeitsplätzen wohlfühlen. „Die dm-Firmenphilosophie, den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen, spiegelt sich darin sehr gut wider. Zudem war dieses übergeordnete Ziel, das auch unserer Bürophilosophie entspricht, maßgeblich für die erfolgreiche Zusammenarbeit. Und so ist der Neubau in Wustermark bereits das dritte Logistikzentrum, mit dem dm die IGB beauftragt hat“, betont IGB-Projektleiterin Monika Hellmann, die in der Bauherrenvertretung und Projektsteuerung maßgeblich und umfassend an Planung und Realisierung beteiligt war.

Fertigstellung:Frühjahr 2020
Bauherr:dm-drogerie markt GmbH & Co.KG, D-76227 Karlsruhe
Architekt:Architekturbüro Kottmair, D-50933 Köln-Müngersdorf